Klappenstellantriebe sind vergleichsweise kleine Komponenten in Lüftungs- und Klimaanlagen. Aber für eine automatische Regelung sind sie nach wie vor unverzichtbar. Alle heute üblichen elektrischen Klappenstellantriebe gehen auf eine Entwicklung der Gründer der bekannten Schweizer Firma Belimo AG zurück.  

Kurzer historischer Exkurs

Bevor Belimo mit seinem allerersten Klappenstellantrieb auf den Markt kam, hatten alle solche Antriebe eine massive abgehende Welle. Die Antriebe mussten auf einer Konsole montiert und deren Welle mit der Klappenachse verbunden werden. Dazu wurde auf Motorwelle und Klappenachse je ein Hebel samt Kugelgelenk angebaut und beide Hebel mit einem Gestänge verbunden. Dieses Gestänge musste auch noch so abgestimmt werden, dass die 90° oder 180° Drehwinkel des Motors proportional in die Drehbewegung der Klappe umgesetzt wurden. Das war sehr zeitaufwändig und ein echter Engpass bei der Montage von Lüftungsanlagen. Der neue Belimo-Antrieb SM 15 (Steck-Motor) hatte eine Hohlwelle, die einfach auf die Klappenachse gesteckt und mit der integrierten Klemmvorrichtung (Klemmbock) an der Achse befestigt wurde. Nun musste der Antrieb nur noch am gegenüberliegenden Ende gehaltert werden, damit er sich nicht auf, sondern er die Achse selbst dreht. Dafür gibt es die sogenannte Verdrehsicherung. 

Belimo Klappenstellantrieb SM15 - geöffnet

Der erste Belimo Klappenstellantrieb SM15

Auf dem obigen Foto kann man sehen, dass der Urahn der heutigen Klappenstellantriebe nicht viel mit seinen modernen Nachfahren gemein hat. Dennoch ist diese Erfindung so genial, dass sie nicht nur den Lüftungsanlagenbauern fortan eine Menge Montagezeit erspart hat, sondern auch den Aufbau eines sehr erfolgreichen Unternehmens ermöglichte. Belimo hat das Prinzip des Steck-Motors nie schützen lassen. Nachdem sich diese Stellantriebe in der Praxis bewährt und Kinderkrankheiten ausgemerzt waren, fingen daher alle Hersteller vergleichbarer Produkte an, das Prinzip zu übernehmen. Und das ist bis heute so geblieben.

 

JOVENTA Klappenstellantriebe

Die JOVENTA AG wurde 1991 in der Schweiz durch ehemalige Belimo-Mitarbeiter gegründet. Sie konnten Ihre Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Stellantriebe bei Belimo nicht durchsetzen und haben kurzerhand ihr eigenes Unternehmen aufgemacht. Die Belimo-Antriebe waren zwar sehr funktionell. Aber ihr kantiges Design schmeichelte nicht eben das Auge. Außerdem hatte jede Baureihe andere Abmessungen und Signalisierungselemente wie Hilfsschalter und Rückführpotentiometer mussten außen aufgesteckt werden. Auch die fest verbauten Anschlussleitungen kann man als Nachteil betrachten. Denn bei der Installation muss für jeden Antrieb eine Anschlussdose gesetzt werden. 

Klappenstellantriebe Belimo SM vs. JOVENTA Standard

Designvergleich Belimo SM vs. JOVENTA Standard

Die JOVENTA-Entwickler konnten in allen Punkten ihre Vorstellungen umsetzen. Die Baureihen Standard und Spezial haben in allen 4 Drehmomentklassen (8 Nm, 16 Nm, 24 m und 32 Nm) das gleiche Gehäuse und damit die gleichen Abmessungen. Das ist ein Vorteil für die Klappenhersteller, da sie immer das gleiche Konsolendesign verwenden können. Hilfsschalter oder Rückführpotentiometer sind bei Bedarf eingebaut und bilden somit keine zusätzliche Fehlerquelle wie außen aufgesteckte Baugruppen. Der elektrische Anschluss erfolgt über innenliegende Klemmen – keine Anschlussdose notwendig. Und das gerundete Design sieht nicht nur gefällig aus. Es birgt auch keine Verletzungsgefahren wie die scharfen Ecken der frühen Belimo-Antriebe.

Federrücklaufantrieb JOVENTA 16 Nm

Federrücklaufantrieb JOVENTA 16 Nm

Die ebenfalls schon früh entwickelte und lange Zeit einzige Federrücklauf-Baureihe mit 16 Nm Drehmoment folgt den gleichen Designlinien, ist aber durch die aufwändige Mechanik notgedrungen größer. Dennoch sind auch diese Antriebe sofort als JOVENTA-Produkte erkennbar.

 

Die Entwicklung der JOVENTA AG

Die JOVENTA Klappenstellantriebe setzten sich schnell am Markt durch. Aber Entwicklung und Produktion, Marketing und Vertrieb kosten eine Menge Geld. JOVENTA war daher von Anfang an auf externe Geldgeber angewiesen, die aus dem Kreis der Eigner des US-Konzerns JCI Johnson Controls stammten. Die Entwicklung gipfelte letztendlich darin, dass die JOVENTA AG samt aller Vertriebstöchter nicht nur von Johnson Controls übernommen, sondern nahezu komplett integriert wurde. Die Antriebe werden in JCI-Fabriken in Italien und in Übersee gefertigt. Die Vertriebstöchter wurden fast alle liquidiert und deren Aufgaben von den jeweiligen JCI-Landesvertretungen übernommen. Die einzige Ausnahme bildete die JOVENTA Stellantriebe Vertriebs GmbH in Deutschland, die als JCI-Tochtergesellschaft weiter bestand und die unter der Marke JOVENTA die von JCI produzierten Klappenstellantriebe zum Weiterverkauf bezog. Parallel dazu fertigt JCI die Stellantriebe bis heute mit anderer Farbgebung unter der Marke Johnson Controls und setzt diese bei eigenen Projekten ein.

2010 konnte der damalige und heutige Geschäftsführer der deutschen JOVENTA GmbH das Tochterunternehmen aus der Konzernmutter herauskaufen. Seither fungiert es als eigenständiges Entwicklungs- und Vertriebsunternehmen unter der Bezeichnung FRAKTA Vertriebs GmbH. Die ursprüngliche Marke verblieb im Besitz der JCI Johnson Controls. Aber FRAKTA hat sich mit langfristigen Verträgen das Recht gesichert, die bekannten JOVENTA Klappenstellantriebe weiter zu vertreiben.

 

Das Vertriebssortiment der JOVENTA Klappenstellantriebe

Wer ein wenig den Markt im Blick hat, wird bemerken, dass sich beim großen orangenen Wettbewerber das Antriebssortiment in den letzten Jahren mehrfach erweitert und erneuert hat. Bei JOVENTA hingegen gab es über die Jahre zwar ein paar Sortimentserweiterungen, aber der Kern ist weitgehend geblieben wie gehabt.

Warum sollte man auch etwas ändern, was zuverlässig funktioniert, den potentiellen Anwendern vertraut ist und deren Anforderungen erfüllt. Ein Klappenstellantrieb hat eine einfache Funktion: er soll eine Lüftungsklappe öffnen und schließen. Je nach Aufgabenstellung muss er in einem Zug in die jeweilige Endstellung fahren (AUF/ZU-Antrieb) oder zur Regulierung des Luftstroms die durch ein Stellsignal vorgegebene Zwischenstellungen einnehmen (stetiger Antrieb). Optionale Zusatzfunktion ist die Signalisation der jeweiligen Stellung des Antriebs bzw. der Klappe durch Hilfsschalter, Rückführpotentiometer oder ein stetiges Stellungssignal. Und diese Funktion sollen die Antriebe über einen möglichst langen Zeitraum störungsfrei erfüllen. Diesen Anforderungen waren und sind die JOVENTA Klappenstellantriebe bestens gewachsen.

– Getriebe und Elektronik

Die Getriebe wurden seinerzeit durch einen externen Spezialisten entwickelt und werden bis heute kostengünstig und in hoher Qualität in Süddeutschland produziert. Sie sind ausgesprochen robust und der Garant dafür, dass in einer Baugröße die 4 unterschiedlichen Drehmomente der Standard-Baureihe und noch dazu die 2 Drehmomente der Spezial-Baureihe mit ihren sehr schnellen Laufzeiten realisiert werden konnten. Diese Schnellläufer waren sogar viele Jahre lang ein Alleinstellungsmerkmal von JOVENTA. Wettbewerber haben solche Antriebe erst sehr viel später entwickelt.

Lediglich die Elektronik der Antriebe wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Einerseits mussten nicht mehr verfügbare Bauelemente durch andere Lösungen ersetzt werden. Andererseits wurde das Schaltungsdesign an den jeweiligen technischen Standard angepasst. Gleichzeitig wurden dadurch auch Funktionsverbesserungen wie das Absenken des Stromverbrauchs in den Endlagen und die lastunabhängige Laufzeit der Antriebe implementiert. Also Verbesserungen “unter der Haube”, die dem Anwender nicht sofort auffallen, aber trotzdem Vorteile bringen. Handling und Installation der Antriebe blieben immer gleich.

– Sortimentserweiterungen

Baureihe Silence

JOVENTA Klappenstellantrieb Baureihe Silence mit 4 Nm Drehmoment

Im Lauf der Zeit wurden jedoch Erweiterungen des Sortiments notwendig. Mit der immerbesseren Dämmung von Gebäuden wurden die notwendigen Volumenströme für Heizen und Kühlen geringer, Kanalquerschnitte und Klappen kleiner. Daher waren kleinere Antriebe mit weniger Drehmoment notwendig. Es enstanden die Baureihe Silence mit 4 Nm Drehmoment und später, schon in der JCI-Ära, die noch kleinere Baureihe Small mit 2 und 4 Nm. Auch bei den Federrückläufern mussten kleinere Alternativen angeboten werden. So wurde zunächst eine Baureihe mit 6 Nm Drehmoment auf den Markt gebracht, die später durch eine besser an die Marktanforderungen angepaßte Baureihe mit 8 Nm ersetzt wurde. Neuester Sproß dieser Entwicklung ist ein Federrückläufer mit nur noch 3 Nm Drehmoment. Mit einem großen Antrieb mit 20 Nm Drehmoment wurde die Reihe der Federrückläufer jedoch auch nach oben erweitert.

– JOVENTA-Sicherheitsantriebe

Nicht so bekannt ist, dass JOVENTA auch bei Sicherheitsantrieben für Brandschutz- und Entrauchungsklappen eine wichtige Rolle spielt, da solche Antriebe nur an die Hersteller der Klappen geliefert werden dürfen. Mit Antrieben für Kombiklappen (Entrauchungsklappe mit Entlüftungsfunktion) war JOVENTA sogar wieder einmal Vorreiter. In diesem Zusammenhang wirkte JOVENTA gleichfalls maßgeblich an der Entwicklung des Steuer- und Überwachungssystem SLC für Brandschutz- und Entrauchungs klappen mit, dessen Steuermodule auch heute noch unter der Marke JOVENTA vertrieben werden. Obwohl das SLC-System nach wie vor eingesetzt wird, steht mit dem FSC-System bereits eine moderne und busfähige Alternative bereit, die wesentlich mehr Möglichkeiten bietet, als das alte SLC-System.

 

Neueste Entwicklungen

Die 2010 erfolgte Trennung von JCI Johnson Controls ermöglichte es FRAKTA, sein Sortiment gezielt zu erweitern. Seither bietet das Unternehmen verstärkt wasserseitige Stellglieder und zugehörige Antriebe an. Aber auch bei den Klappenstellantrieben und peripherer Technik tut sich etwas. Mit der Preisliste 2018/19 wurden, basierend auf der bewährten Standardbaureihe, erstmals Klappenstellantriebe angeboten, die direkt in MODBus- oder BACNET-Netze eingebunden werden können. Und mit der Baureihe BMM (BACNET-MODBus-Module) können klassische Stellantriebe und Sensoren unkompliziert über diese Netzwerke überwacht und gesteuert werden.

 

Soweit ein Überblick über die historische Entwicklung und den aktuellen Stand bei den JOVENTA Klappenstellantrieben. Detaillierte Informationen zu den genannten Baureihen finden Sie unter den folgenden Links auf der Webseite:

 

Bei Fragen zu den oben genannten Produkten kontaktieren Sie bitte die FRAKTA-Zentrale oder die Handelsvertretungen. Die Kontaktdaten finden Sie hier.