Mit der Produktlinie COMAR hat die FRAKTA Vertriebs GmbH eine interessante Baureihe von Regelventilen in Kurzhub-Bauform im Sortiment. Die Ventile sind zwar schon einige Jahre am Markt verfügbar, aber zumindest in Deutschland noch zu wenig bekannt. Deswegen werden wir sie im Folgenden etwas näher vorstellen.

Der Ursprung der COMAR-Regelventile

Die COMAR-Regelventile wurden von der tschechischen Firma LDM s.r.o. entwickelt und werden dort auch hergestellt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Česká Třebová. Hier war zu Zeiten des Sozialismus die Firma SIGMA beheimatet, die eine Vielzahl von Ventilbaureihen für alle Staaten des sozialistischen Wirtschaftsraumes und darüber hinaus fertigte. LDM steht zwar in dieser Tradition und hat auch einige Ventilbaureihen von SIGMA fortgeführt. Es ist aber nicht der Rechtsnachfolger, sondern eine sehr erfolgreiche Nachwende-Gründung. Know How und Fertigungsqualität sind so hoch, dass LDM für renommierte Unternehmen wie SIEMENS und JCI Johnson Controls hochwertige Ventile fertigt. 

Bei der Baureihe COMAR handelt es sich um eine komplette Eigenentwicklung von LDM. Das Unternehmen vertreibt diese Ventile auch selbst. Die durch FRAKTA angebotenen COMAR-Regelventile sind aber exklusiv für FRAKTA modifiziert.

 

COMAR-Regelventile der FRAKTA Vertriebs GmbH

Aufbau von Kurzhub-Ventilen

Übliche Kurzhub-Ventile wie zum Beispiel SIEMENS VVP und VXP45 haben eine eingebaute Feder, die den Ventilstößel nach oben drückt. Das heißt, der Stellantrieb muß nur in ausfahrender Richtung Kraft aufwenden und den Ventilstößel nach unten drücken. In der gegensätzlichen Richtung wirkt er als Widerstand gegen die Federkraft des Ventilstößels, damit dieser nur bis in die durch das Stellsignal vorgegebene Position fährt. Der Antrieb muss also nicht ziehen, da der Ventilstößel durch die Feder automatisch der einfahrenden Bewegung des Antriebs folgt. Dadurch fällt auch eine mechanische Kopplung zwischen Antriebs- und Ventilstößel weg und das bringt Einsparungen beim Fertigungsaufwand von Ventil und Antrieb.

Nachteile dieser Konstruktion


Aber diese Bauart hat auch Nachteile. Zum einen benötigt der Ventilantrieb verhältnismäßig viel Kraft, da er in einer Bewegungsrichtung nicht nur den Widerstand des durch das Ventil fließenden Mediums, sondern auch den der eingebauten Feder überwinden muss. Das erfordert also einen kräftigeren Antrieb. Zum andern würde es der Antrieb “nicht merken”, wenn der Ventilstößel in einfahrender Richtung des Antriebs blockiert wäre. Es besteht ja keine mechanische Verbindung zwischen Ventil- und Antriebsstößel. Die Elektronik moderner Antriebe registriert Blockierungen im Stellweg und gibt ein entsprechendes Signal an die übergeordnete Regelung. In diesem Fall kann sie das aber nicht. Der Antrieb würde in die vorgegebene Position fahren und der Fehler würde allenfalls später auffallen, wenn sich in der Anlage nicht der gewünschte Parameterwert (z.B. die gewünschte Wasseremperatur) einstellt.

Die FRAKTA-Variante

Bei der FRAKTA-Version der COMAR-Regelventile wurde daher auf die Feder verzichtet und ein Kopplungsmechanismus am Antrieb samt Gegenstück am Ventil implementiert. Die Montage des Antriebs auf das Ventil ist dennoch genauso schnell möglich wie bei den Kurzhubventilen mit Feder. Auch hier wird der Antrieb nur auf das Ventil aufgeschraubt. Die Kopplung erfolgt automatisch, wenn am Antrieb Spannung angelegt wird. Eine manuelle Kopplung und Justierungen sind nicht notwendig. Und es können kleinere und preisgünstigere Ventilantriebe verwendet werden. 

 

Technische Details

Die COMAR-Baureihe umfasst 2- und 3-Wege-Ventile mit Schraubanschluss (Außengewinde) mit Gewinde- oder Anschweißverschraubungen sowie mit Flanschanschluss. Verschraubungen gehören immer mit zum Lieferumfang. Die innere Gehäusegeometrie ist optimal auf die jeweilige Ventilart (2- oder 3-Wege) ausgelegt. Soll heißen, die 2-Wege-Ventile haben keinen 3. Port, der mit einer Scheibe samt Überwurfmutter verschlossen ist. Damit sind die 2-Wege-Gehäuse strömungstechnisch optimiert und stellen keinen Kompromiss dar. 

Die Nenndurchmesser reichen von DN15 bis DN40 mit den üblichen Kvs-Werten. Damit kann ein breites Feld von Anwendungen abgedeckt werden, zumal der Nenndruck PN16 beträgt. Der Temperaturbereich für das durchströmende Medium reicht von 2 bis 130 °C. Das Regelverhältnis liegt bei 50:1 und die sehr geringe Leckrate bei unter 0,0001% vom jeweiligen Kvs-Wert. Das sichert eine hohe Regelgüte mit geringen Energieverlusten.

 

Materialien

Das Gehäuse besteht aus Grauguss, der zum Korrossionsschutz abriebfest lackiert ist. Die Innengarnitur wurde komplett aus rostfreiem Stahl gefertigt. Sie ist damit wesentlich hochwertiger und langlebiger als bei derartigen Regelventilen anderer Hersteller, bei denen die Innengarnitur häufig aus Messing besteht. Die Stopfbuchse ist mit einem O-Ring aus EPDM abgedichtet.

 

Antriebe

Zur COMAR-Baureihe gehören natürlich auch entsprechende Ventilantriebe mit 250 bzw. 500N Stellkraft. Die 230V-Varianten arbeiten mit 2- und 3-Punktansteuerung. Die 24V-Antriebe können 2-Punkt, 3-Punkt und stetig (0…10 V DC) angesteuert werden. Eventuell notwendige Hilfsschalter können als Zusatzmodul aufgesteckt werden.

Die Montage der Antriebe geht sehr einfach vonstatten. Sie werden auf das Ventil aufgesteckt und mit einer Rändelmutter handfest angezogen. Die Kopplung von Ventil- und Antriebsstößel erfolgt automatisch, sobald am Antrieb Spannung angelegt wird. Justierarbeiten entfallen vollständig.

 

Kleiner Vergleich

Ein umfassender Vergleich mit den gebräuchlichsten Alternativen anderer Hersteller sprengt sicher den Umfang dieses Artikels. Deshalb stelle ich hier nur die Ventile VVP und VXP 45 von Siemens gegenüber, da sich COMAR und die Siemens-Ventile in etlichen Punkten ähneln.

Die Gehäuse der Siemens-Ventile bestehen aus Rotguß (COMAR – Grauguss) und besitzen ebenfalls Außengewindeanschlüsse. Flanschausführungen gibt es nicht und die Verschraubungen müssen extra bestellt werden. Bei Siemens haben die 2-Wege-Gehäuse einen dritten Port, der mit Scheibe, Dichtung und Überwurfmutter verschlossen ist. Die COMAR-Ventile haben strömungstechnisch optimierte eigenständige Gehäuse.

Bei COMAR besteht die komplette Innengarnitur inklusive Stopfbuchse aus Edelstahl. Die Siemens-Ventile verwenden nur beim Stößel Edelstahl. Die anderen Bauteile sind aus Messing.

Dennoch sind die technischen Daten recht ähnlich, bis auf die Punkte Mediumstemperatur und Leckrate. Hier sind die COMAR-Ventile mit einer maximalen Temperatur von 130 °C besser als die VVP/VXP mit 110 °C. Auch bei der Leckrate ist COMAR mit < 0,0001% vom Kvs-Wert gegenüber Siemens mit < 0,02% etwas besser.

 

Preise

Bleibt noch ein Blick auf die Preise. Dabei sollten wir einen Unterschied in der Abstufung der Nenndurchmesser und Kvs-Werte beachten. Die Siemens-Baureihe beginnt mit Nenndurchmesser DN10. In dieser Abmessung werden Ventile mit Kvs-Werten von 0,25 bis 1,6 m3/h angeboten. Das DN15-Ventil hat dann den Kvs-Wert 2,5 m3/h. Bei COMAR beginnt die Baureihe erst mit DN15. Aber in dieser Baugröße sind die Kvs-Werte 0,16 bis 4,0 m3/h (2-Wege-) bzw. 0,25 bis 4,0 m3/h (3-Wege-) möglich. Entsprechend unterscheiden sich bei den weiteren Nennweiten die jeweils möglichen Kvs-Werte zwischen Siemens und COMAR. Erst bei DN32 und DN40 sind die Kvs-Werte mit 16 und 40 m3/h gleich. Diese Unterschiede muss man bei der Anlagenplanung mit Siemens- oder COMAR-Regelventilen beachten.

Nun aber tatsächlich zu den Preisen. In den kleinen Abmessungen DN10 und DN15 sind die VVP-Ventile mit Listenpreisen mit 44,- und 56,- EUR günstiger als die Durchgangsventile von COMAR (DN15 = 65,- EUR). Aber dabei muss man beachten, dass bei Siemens die Verschraubungen extra berechnet werden. Die Kosten kommen also noch hinzu. Bei DN20 liegen die Listenpreise mit 65,- EUR (Siemens) und 68,- EUR (COMAR) schon nahe beieinander. Bei den größeren Nennweiten ist COMAR erheblich kostengünstiger. Das VVP45.40 (DN40) hat einen Listenpreis von 241,- EUR. Das gleich große COMAR-Ventil kostet hingegen nur 94,- EUR in der Liste. Analog sieht es bei den 3-Wege-Ventilen aus.

 

Fazit

Mit der Baureihe COMAR hat FRAKTA Regelventile im Angebot, die technisch mit den vergleichbaren Produkten anderer Hersteller mehr als gut mithalten können. Und preislich bieten die COMAR-Ventile ganz handfeste Vorteile. Detaillierte Informationen und den Download der Datenblätter finden Sie hier auf der Webseite:

Bei Fragen zum Thema stehen Ihnen unsere Handelsvertreter oder die Kollegen in der Zentrale gern zur Verfügung. Alle Kontaktdaten finden Sie hier.